Der August – ein ganz besonderer Sammelzeitpunkt

Der August ist der ideale Monat zum Sammeln von Wild- und Heilkräutern. Schon unsere Vorfahren sammelten jetzt die, für den Winter benötigen, Kräuter um sie zu Tee, Tinkturen oder Salben zu verarbeiten.
Ein ganz besonderer Sammelzeitpunkt im Jahreskreis ist der sogenannte „Frauendreißiger“. Das ist der Zeitraum zwischen Mariä Himmelfahrt (15.August) und Mariä Geburt (8.September).
Ein beliebter Brauch war es, und ist es auch heute noch in den vielen kleinen Bergdörfern, einen Kräuterbuschen an Maria Himmelfahrt zu binden und zu weihen. Der Kräuterbuschen wurde feierlich in Kirchen oder an heiligen Plätzen geweiht. Er soll Heilkräfte besitzen die sich die Menschen schon zu Urzeiten zu Nutze machten. Unter dem Dachboden aufgehängt sollte er Blitzschlag schützen. Auch wurde bei heranziehendem Gewitter ein kleiner Teil vom Buschen in das Herdfeuer geworfen um Haus und Hof ebenfalls vor Blitzschlag zu schützen. Legte man diesen Kräuterstrauss oder Teile der Pflanzen unter das Kopfkissen, so förderte er das Eheglück. Man legte ihn zum Viehfutter um die Gesundheit der Tiere zu schützen und im Essen förderte er das Wohlbefinden der Menschen.
Früher gehörten in den Kräuterbuschen eine Vielzahl verschiedener Gräser und Kräuter. Je nach Region durfte der Buschen nur aus 99,77, 15 oder 9 Kräutern bestehen. Die Anzahl der Heilpflanzen ist nicht etwa zufällig gewählt oder entstanden. Es handelt sich hier um magische alte Zauberzahlen die schon bei so manchem Wettermachen oder Gegenzauber verwendet wurden.
Auch wurden nicht irgendwelche Pflanzen in den Buschen gebunden, es war genau vorgeschrieben welche Kräuter, Gräser und Blumen Verwendung finden. Darunter waren zum Beispiel Getreideähren, Hopfen, Fenchel und auch Baldrian. Natürlich durften Kräuter wie Lavendel, Salbei, Kamille, Schafgarbe ebenso wenig fehlen wie das Johanniskraut. Den Mittelpunkt dieses Straußes stellte immer die Königskerze dar.
So band man den „Neunerlei“ aus der Königskerze als Zepter in der Mitte und darum das Johanniskraut, die Schafgarbe, Baldrian, Arnika, Kamille, Wermut, Pfefferminz und das Tausendgüldenkraut.

Der 15er Buschen bestand aus dem Fünffingerkraut, der Glockenblume, dem Kümmel, der Magarite, der Eberwurz, der Bibernelle oder auch Pimpernelle genannt, dem Wermut, der Minze, der Raute, Liebstöckel, Teufelsabbiß, Mooskolben, dem Bittersüßen Nachtschatten, dem Johanniskraut und natürlich der Königskerze im Herzen des Straußes.

 


All diese Pflanzen sind starke Heilpflanzen mit denen man gut gerüstet in den Winter gehen konnte.
Nachdem der Kräuterbuschen geweiht war, wurde er an einem dunklen, sonnengeschützten Platz aufgehängt damit die Farben und die Heilkräfte erhalten blieben. Das war auch nicht irgendein Platz, sondern ein Ehrenplatz in der guten Stube. Mit der Kräuterweihe drückten unsere Vorfahren ihre Dankbarkeit für die heil-bringenden Pflanzen aus und baten um Segnung der weiblichen Gottheit, welcher die Kräuter unterstanden.
An „Drei Könige“, also am 06. Januar wurden die Kräuter aus dem Buschen dann in einer Glutpfanne angezündet und damit das Haus und die Ställe ausgeräuchert. Mehr dazu dann im Januar.

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