Der Frauenmantel – Alchemilla vulgaris, die kleine Alchemistin

Der Frauenmantel ist eine wundervolle kleine Pflanze. Seine Blätter sind so wunderschön gefaltet, samtig und erinnern an einen Damenumhang aus alten Zeiten. Diese kleine märchenhafte Pflanze bezaubert mit ihren wunderschönen, plissierten Blättern, denn ihre gelblich grünen, nur wenige Millimeter großen Blüten sind fast unscheinbar. Die Blüten wachsen an 10-50 cm langen Blühtrieben. Diese können kahl oder behaart sein. Die Blütentriebe sind manches Mal ebenso zart behaart und bei anderen Frauenmantelarten, denn es gibt etwa 1000, wobei ca. 300 in Europa heimisch sind, sind die Blütentriebe kahl.
Die Blätter des Frauenmantels sind fast kreisrund und sternenförmig, am Rand gezähnt, meist kahl, und manchmal auch samtig behaart. Die 7-11 lappigen Blätter bleiben auch im ausgewachsenen Zustand gefaltet. Es schaut fast aus als wären seine Blätter wie zu einer wunderschönen kleinen Schale geformt und als erwarte dieses kleine Pflänzlein eine Gabe die vom Himmel fällt.

Tatsächlich findet man am Morgen in ihrer Mitte einen kleinen, kristallklaren Tropfen Wasser in ihrem Blattkelch. Dies ist kein normaler Tautropfen. Der Frauenmantel „schwitzt“ kristallklare Wasserperlen aus, die sich in der Mitte des Blattkelchs sammeln. Die alten Alchemisten des Mittelalters nannten ihn den Himmelstropfen. Sie sammelten diese Tropfen früh morgens bei Sonnenaufgang ein, denn sie wussten noch um ihre besondere Kräfte. Für sie war dieser Himmelstropfen Teil eines wohlgehüteten Pflanzengeheimnisses. Es gibt nur wenige Überlieferungen um diesen magischen Tau. Eine ist, dass man mit Hilfe des Himmelstropfens zum Stein der Weisen gelangen und durch ihn aus Blei Gold herstellen könne. In diesem Guttationstropfen, so sein fachmännischer Name, sahen die Alchemisten ein tiefes Sinnbild für den Weg des Menschen. Die Pflanze saugt das Wasser aus der Erde, wandelt es und gibt es wieder (durch Verdunstung) an den Himmel ab. Auch unter den Frauen im einfachen Volk war der Himmeltropfen ein ganz besonderer magischer Tautropfen. Sie benetzen ihre Haut mit dem heiligen Tau um die besondere Ausstrahlung einer Elfe zu erhalten.
Der Frauenmantel ist ein Kraut welches der Göttin Frigga geweiht ist. So wird er in manchen Gegenden auch Friggas Blume, Liebfrauenmantel, Muttergottesmantel oder Venusmantel genannt. Als ein Kraut der Göttin wurde er für Fruchtbarkeitszauber und zum Schutz der Frauen angewandt. Früher wandte man ihn bei Leberbeschwerden an, setzte ihn ein um Wunden, Schlafstörungen, Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden zu heilen. Doch in erster Linie fand und findet er noch heute in der Frauenheilkunde Verwendung. Die Zusammensetzung seiner Wirkstoffe wirkt auf den gesamten weiblichen Organismus ausgleichend und regulierend. Schwangere können 6 Wochen vor der Geburt eine Teekur mit Frauenmantel machen, diese bereitet bestens auf die Geburt vor. Nach der Geburt kann diese Teekur für weitere 3 Wochen fortgesetzt werden, um eventuell entstandene Verletzungen zu heilen. Der Frauenmantel wirkt auf die großen und kleinen Beckenorgane heilend und stärkt diese und er fördert die Milchbildung.
Eine Tinktur aus Frauenmantel kann bei Wechseljahrsbeschwerden und unregelmäßigen Blutungen eingesetzt werden. Bei nahezu allen Arten von Frauenbeschwerden, so zum Beispiel bei Periodenkrämpfen, bei dem prämenstruellen Syndrom oder Beschwerden während der Menstruation ist ein Frauenmanteltee eine wahre Wohltat. Er ist der Schutzmantel für die Frau, man spürt förmlich wie sich sein wohlwollender, heilender Mantel im Unterleib ausbreitet und wohltut.

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