Der Haselstrauch – Die Brücke ins Jenseits

Für unsere Ahnen, die Kelten, war der Haselstrauch ein weiterer bedeutungsreicher Strauch in der Hecke. Die Hecke versteht man hier nicht nur auf der physischen Ebene als Grenze vom kultivierten Land und dem nur schwer durchdringbaren Urwald, sondern auch auf metaphysischer Ebene.
Hinter der Hecke (auf metaphysischer Ebene) war das Reich der wilden Tiere, der Waldunholde, Gespenster, Elfen, der Zwerge, der Götter und unserer Ahnen. In diese schaudervolle und zugleich anziehende, magische Welt trauten sich nur jene, die selbst magische Kräfte besaßen. Das waren die alten Kräuterfrauen, die Heckensitzerinnen oder später auch Hexen genannt, die Jäger und natürlich die Schamanen und Druiden.

Der Haselstrauch war eines der wichtigsten Heckengehölze, denn das gerade gewachsene, kräftige Holz konnte man wunderbar für Stecken und Pfosten verwenden, die nahrhaften Nüsse waren eine wichtige Nahrungsquelle und wahrscheinlich wurden schon damals die Haselkätzchen für einen schweißtreibenden Erkältungstee verwendet.
Bei den Kelten galt der Haselstrauch, wie auch der Holunder, als Schutzstrauch. Man war überzeugt, dass das Haselgehölz die chaotischen Kräfte aus dem Jenseits abhält und Schutz vor Blitzschlag, Feuer, Krankheiten und bösen Zauber bietet. Die Hasel vermittelt klare, kluge Gedanken und die Fähigkeit diese auch verständlich auszusprechen und zu formulieren. Die Hasel steht ebenfalls für Frieden und Versöhnung. Das war wohl auch der Grund dafür, dass die Germanen ihre Thingplätze, wo Verhandlungen stattfanden und Ratsgespräche gehalten wurden, mit geschälten Haselstäben umzäunten. Heute vermutet man, dass die hellen, geschälten Stäbe der Hasel der Ursprung der weißen Fahne, welche das Ende einer Kampfhandlung oder Krieges anzeigt, sind.
Die Hasel bietet nicht nur Schutz vor der Anderswelt, sie trägt auch die Fähigkeit in sich, uns mit der Anderswelt zu verbinden. So sagt man zum Beispiel, dass sie dem, der unter ihr schläft, zukunftsweisende Träume schenkt. Dr. Max Amman rät: „Unter Haselsträuchern kann man sich leicht mit freundlichen Naturgeistern in Verbindung setzen.“
Für die Kelten war die Anderswelt die Welt der Ahnen, der Götter, Feen und Geister. Die diesseitige Welt ist diese in der wir leben und inkarniert sind. Beide Welten liegen hauchzart beieinander. Zu besonderen Zeiten, nämlich den acht Feiertagen, in den Vollmond- und den Neumondnächten und zu den Geisterstunden öffnen sich verborgenen Tore zwischen den Welten. Wer eine Haselgerte bei sich trägt ist nicht nur vor den chaotischen Mächten des Jenseits geschützt, er kann ebenso die Kräfte und Energien spüren und dirigieren, ja sogar beherrschen und herüberleiten. Der Haselstock ist eben ein echter Zauberstock. Deshalb wurden und werden auch heute noch die Wünschelruten aus diesem Holz geschnitzt. Das Holz der Hasel ist auch biegsam und besitzt eine starke Affinität zum Wasser.
Die Haselnuss gilt ebenfalls als Baum der Wahrheit und der Wunscherfüllung. So soll sie Glück bringen wenn man aufgefädelte Haselnüsse im Haus aufhängt. Eine aus Haselnusszweigen geflochtene Krone soll dem der sie trägt Wünsche erfüllen. Wir kennen alle das Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, hier sind die alten Glaubenssätze alle angesprochen. Der Haselstrauch stellt die Brücke der Verbindung zur verstorbenen Mutter dar und über sie wirkt der Zauber der dem Aschenbrödel den Lebensweg ebnet. Mit jeder geopferten Haselnuss wird dem Aschenbrödel ein Wunsch erfüllt und schlussendlich kommt die Wahrheit wem der Schuh nun wirklich passt auch ans Licht.
Im keltischen Baumorakel steht die Karte des Haselstrauches für die poetische Begabung und Intuition, die Kraft des Spürens, das direkt zur Quelle führt und die Kräfte der Vermittlung. Sie zeigt an, dass die Talente, die in uns schlummern, auch als Kanal für schöpferische Energien stehen. Und zwar besonders dann, wenn es gilt diese Fähigkeiten bei sich selbst oder anderen anzuregen um sie z.B. für persönliche Interessen, den Beruf, die Berufung und Unternehmungen optimal zu nutzen.
Ich bin immer wieder fasziniert wie stimmig all die einzelnen Informationen, die alten Geschichten, Mythen und Bräuche sind und wie wundervoll sich die vielen kleinen Puzzleteile doch zu einem wunderschönen großen Ganzen zusammenfügen.

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