Der Julkranz

 
Viele der heute bekannten Bräuche, welche in der Weihnachtszeit noch gelebt werden, haben ihren Ursprung in der heidnischen Tradition. So auch der Adventskranz. Wie aus dem Julfest das Weihnachtsfest, so wurde aus dem Julkranz der uns heute bekannte Adventskranz mit seinen 4 Kerzen.
Jul, das ist der Tag der Wintersonnenwende oder auch Mittwinter. Sie ist die dunkelste Nacht des Jahres, die längste Nacht und der kürzeste Tag. An Jul wird das Licht neu geboren, die Tage werden langsam und kaum spürbar länger, das Leben und die Sonne kehren zurück. In dieser Nacht wurden Feuer entzündet um die Rückkehr des neuen Lichtes zu beschwören und es zu ehren.
Lange vor dem Julfest begannen die Menschen sich auf dieses große Ereignis im Jahreslauf vorzubereiten. Der Julkranz wurde etwa 4 Wochen vor Jul gebunden. So zogen die Frauen und Kinder in den Wald und sammelten was die Natur noch hergab um damit das Haus zu schmücken.
Traditionell wird der Julkranz aus immergrünen Pflanzen gebunden. Je nachdem was einem vor der Türe wuchs verwendeten unsere Vorfahren Wacholder, Eibe, Stechpalme, Efeu, Lebensbaum oder Seidentanne. Fichte, Kiefer, Tanne, Buchsbaum und natürlich auch die Mistel fanden einen Platz im Julkranz. Auch Kräuter wie das Heidekraut oder Rosmarin wurden in den Kranz gebunden. Ein sehr schöner Brauch ist es den Kranz aus neunerlei Hölzern zu binden.
Aus den Hölzern wurde ein Kranz gebunden, denn er symbolisiert das ewige Leben, das immerwährende Auf und Ab im Jahreskreis und damit auch den Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit, in der sich alle Pflanzenkraft in die Erde zurückgezogen hat, zeigen uns die immergrünen Hölzer, dass das Leben fortbesteht. Geschmückt wurde der Kranz mit den Beeren des Wacholders, der Eberesche, Hagebutten, Blättern und Zapfen.
Auf dem Julkranz befanden sich vier Kerzen und in seiner Mitte eine fünfte. Die vier Kerzen wurden zu Beginn der Julzeit, also 4 Wochen vor der Julnacht entzündet und symbolisieren damit die Dunkelheit um die dunkelste Nacht des Jahres. Von Woche zu Woche schwindet das Licht mehr und mehr. Drei Wochen vor Jul brannten nur drei Kerzen, zwei Wochen vor Jul nur noch zwei und in der letzten Woche vor dem Julfest wurde nur noch eine Kerze auf dem Kranz entzündet. Die finstere Nacht war nah und mit ihrem Näherrücken verschwand auch das Licht des Julkranzes immer mehr und mehr.
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In der Julnacht wurde dann mit der Julkerze aus dem vergangenen Jahr die neue Julkerze, in der Mitte unseres Kranzes, entzündet. Mit ihr, unserer neuen Julkerze, wurden die vier Kerzen rundherum entzündet und die Julkerze brennend in der Mitte platziert. Der gesamte Kranz leuchtete und strahlte in hellem Licht.
Das neue Licht ward geboren. Die Tage werden wieder länger, die Nächte kürzer, die Sonne tritt hervor, das Licht hat über die Dunkelheit gesiegt und ein neuer Kreislauf von Werden, Sein und Vergehen begonnen.
Die dunklen Tage vor Jul eignen sich besonders gut noch einmal für sich zu prüfen was gehen darf, welche Menschen weniger oder keinen Platz mehr in unserem zukünftigen Leben erhalten werden, welche Verhaltens- und Lebensweisen meinem Lebensweg nicht mehr dienlich sind und sie zu verabschieden. Dies stellt den Aspekt des Vergehens dar und gibt unserem Leben Raum für Neues. Neues Leben, neue Kontakte, eine neue Lebenseinstellung will geboren werden und wachsen.
Eine besinnliche Julzeit wünsche ich Dir!

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