Der keltische Jahreskreis

Die Kelten, wie auch die meisten naturverbundenen Völker, empfanden die Zeit als Kreis. Die Zeit bestand aus Kreisen innerhalb von Kreisen. Innerhalb des Jahreskreises kreisten die Monatskreise und in ihnen wiederum die Tages- und Stundenkreise. Jeder dieser Kreise wurde in eine helle und eine dunkle Seite eingeteilt. Den Anfang eines Kreises bildete immer die dunkle Seite. So begann ein Monat mit dem unsichtbaren Neumond (Dunkelmond/ Schwarzmond), ein Tag mit der Abenddämmerung und das Jahr im Monat November, der dunkelsten Zeit im Jahr.

Anders als in unserer heutigen Zeitrechnung waren die Stunden beweglich. Bei Sonnenuntergang und zwar dann, wenn der Flug der Schwalben dem der Fledermäuse weicht, beginnt der neue Tag. Der Tag bestand aus 8 Stunden und wurde verglichen mit einem achtspeichigem Rad. Dieses Rad bestand aus Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Mittag, Mitternacht und den 4 dazwischenliegenden Zeitpunkten. Daher waren die Nachtstunden im Winter viel länger als die Tagesstunden und im Sommer entsprechend kürzer.

Ein keltischer Monat umfasste 2 14-tägige Wochen. Die erste Woche begann mit dem dunklen Neumond, die Wochenmitte erlebte man zu Viertelmond und diese ging bis zum Vollmond, dem Ende der Woche. Die zweite Woche begann also bei Vollmond, ging über den Viertelmond und endete bei Neumond. Damit umfasste ein keltischer Monat einen vollen Mondzyklus und 13 volle Mondzyklen umfassten ein Jahr.

Dem keltischen Jahreskreis liegen die 4, vom Sonnenlauf vorgegebenen, festen Kardinalpunkte zugrunde. Diese Kardinalpunkte sind die Sonnenwenden, die Sommer- und Wintersonnenwende und die Tag-und Nachtgleichen im Frühjahr und im Herbst. Diese 4 Hauptfeiertage markieren die 4 Eckpunkte in dem „keltischen Kreuz“. Die sogenannten Kreuzvierteltage befinden sich genau in der Mitte zwischen den 4 Kardinalpunkten. Diese waren wiederum dem Mondrhythmus untergeordnet und daher beweglich. Die Kreuzviertage beschreiben Feste die an Vollmond stattfanden, daher kann man sie auch nicht auf einen bestimmten Tag festlegen. So wurde während dieser Vollmondtage im Februar, dem Weibermonat, im Wonnemonat Mai, im August, dem Erntemonat und im Schlachtmonat November gefeiert. Im Zuge der Christianisierung und unter dem Einfluss des römisch-kirchlichen Zeitverständnisses wurden diese 4 Mondfeste kalendarisch festgesetzt. Heute kennen wir den 1. Februar als Lichtmess, den 1. Mai mit seinem Maifest, den 1. August und den 1. November als Allerheiligen. Der 1.August wird heute noch in der Schweiz, dem Land der keltischen Helveter, als Nationalfeiertag gefeiert. Und so glich der keltische Jahreskreis ebenfalls einem achtspeichigem Rad bestehend aus den 4 Hauptspeichen der Sonnenfeste und den 4 dazwischenliegenden Mondfesten.

 

 

Außer Samhain wurden alle Mondfeste an einem Vollmondtag gefeiert. Da Samhain auch den Beginn des neuen Jahres kennzeichnet und dieses eben zu Neumond beginnt, fällt dieses Fest auch auf einen Neumondtag.
Diesen achtteiligen naturbezogenen keltischen Kalender kann man auch als ein Medizinrad verstehen. Es ist ein Rad und ein Kalender der auf dem Erleben der werdenden und vergehenden Natur basiert.

Das keltische Jahresrad beinhaltet neben den Sonnen- und Mondfesten auch die 4 Himmelsrichtungen, die 4 Jahreszeiten und die 4 Elemente.

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Frühling – Osten – Frühlings-Tag- und Nachtgleiche / Ostara – 20. bis 23. März –  Osterfest – Element Luft – Kindheit

Neubeginn, Ideen, Beweglichkeit, Leichtigkeit, Unbeständigkeit, Unverbindlichkeit, Intelligenz, Aufnahme von Wissen und Weisheit, Lehre, Autorität, Familie, Herdfeuer, Offenheit, Kommunikation

 

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Sommer – Süden – Sommersonnenwende / Litha – 21. Juni – Dank- und Fruchtbarkeitsfest / Freudenfest – Element Feuer – Jugend – 

Wachstum, Fülle, Energie, Kraft, Stärke, Hitze, Feuer, Leidenschaft, Sexualität, Aktivität, Engagement, Leistung,Handeln, Ehrgeiz, Impulsivität

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Herbst – Westen – Herbst- Tag- und Nachtgleiche / Mabon – 21. bis 23. September  – Erntezeit – Element Wasser – Erwachsenenalter –

Gefühl, Emotionen, Sensibilität, Hellsichtigkeit, Tiefe, Unergründlichkeit, Geheimnisse, Erfahrung, Reife, Traurigkeit, Freude, Anpassungsfähigkeit, Kompromissbereitschaft

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Winter – Norden -Jul / Modhro – 21.Dezember – Wintersonnwende – Weihnachtsfest – Element Erde – Greisentum –

Konzeption, Inkarnation, Inspiration, Holzschlag/Ruhezeit, Beständigkeit, Verlässlichkeit, Rückzug, Stille, Stillstand, Materie, Güter, Rationalität, Diesseits, Gesundheit, Wohlstand