Die Schafgarbe – Eine der großen Frauenheilkräuter

Die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht. Die Hitze flirrt geradezu und ist kaum noch auszuhalten, die Zeit der Ernte ist herangebrochen. Dies ist die Zeit in der wir Lammas feiern, das Fest der Schnitterin und es ist die Zeit der Frauendreißiger. 30 Tage in der Frau sich ganz auf ihr Frausein fokussiert und in der wir Kräuterfrauen (und Männer) eine ganz besondere Frauenheilpflanze ernten dürfen.

Die Frauendreißiger beginnen am 15.August, dem Augustfeuer. Wir kennen es auch als Lammas oder Lugnasad. Nach 30 Tagen finden die Frauendreißiger am 08. September ein Ende. Dies ist die Zeit, in der Frauen ihre Heilkräuter sammeln sollten. Seit jeher ist galten die Frauendreißiger als besonders günstig zum Kräutersammeln. Wen wundert es da, dass diese großartige Frauenpflanze genau zu dieser Zeit reif ist, von uns geerntet zu werden?

„Schafgarbe im Leib tut wohl dem Weib!“

Dieser alte Spruch gibt uns so viel Auskunft über das breite Spektrum von Anwendungsmöglichkeiten und Heilkräften dieses Krautes. Ohne die Schafgarbe kam eine Frau in den alten Zeiten wohl gar nicht aus. Sie war das erste Hilfsmittel, wenn frau nach einer Geburt starke Blutungen erlitt und so unterstützt sie auch diejenigen die unter starken Menstruationsblutungen leiden und löst die damit verbundenen Krämpfe. Neben verschiedenen anderen Pflanzen, die vor allem eine desinfizierende, ausgleichende, wohlriechende und beruhigende Wirkung innehatten, fand sich auch die Schafgarbe im sogenannten Bettstroh um die Heilung zu fördern und Entzündungen vermeiden. Aufgrund ihres hohen Gehaltes an Gerbstoffen wirkte sie hier wundheilend, antibakteriell, adstringierend, entzündungshemmend und schleimhautschützend.

Die Augenbraue der Venus – Das wohl schönste Kompliment an die Schafgarbe

Nehmen wir uns eines der zarten, filigranen, jungen Blätter der Schafgarbe und betrachten es, so sehen wir den wunderschönen Bogen den es schlägt. Dieser Bogen erinnert an eine geschwungene Augenbraue der Frau und 

wo könnte sie besser hinpassen als in das schöne Gesicht der Göttin der Liebe, der Schönheit und Anmut. Und so finden wir den Namen Supercilium Verneris, Augenbraue der Venus, unter verschiedenen handschriftlich verfassten Schriften aus dem Mittelalter.

Pflanzen welche nach Göttinnen benannt wurden, sind immer Heilpflanzen für Frauen.

Eine Salbe aus Schafgarbe gemacht hilft bei wunder, rissiger und spröder Haut. So tut es gut, nach einem Tag Gartenarbeit abends die Hände mit dieser Salbe einzureiben. Auch im Winter wenn die Lippen durch die Kälte und die bissige Winterluft angegriffen sind, wirkt sie wahre Wunder. Aber nicht nur uns Menschen, auch unserem besten Freund, dem Hund, hilft sie gerade im Winter, nämlich dann, wenn durch die Kälte, Eis und Streusalz die kleinen Pfötchen ganz wund sind. Man kann schon vorbeugend vor dem Spaziergang etwas Salbe auf den Pfoten verteilen. So werden sie abgehärtet.

Neben den Gerbstoffen enthält die Schafgarbe Bitterstoffe, die zum Beispiel in einem Medizinalwein kräftigen und stärken, den Appetit anregen und die Verdauung fördern.

 

Was uns die verschiedenen Volksnamen der Schafgarbe verraten

Das Wort „Garbe“ stammt aus dem altdeutschen und bedeutet so viel wie „gesund machen“. Dass die Schafgarbe tatsächlich gesund macht, das wussten schon die Schafhirten.  Sie gaben ihren Schafen die Schafgarbe zu fressen und heilten sie von Würmern.

Die Namen Blutstillkraut, Feldgarbe oder Soldatenkraut zeigen uns, dass man die Schafgarbe schon in alten Zeiten, in Zeiten des Krieges eine große Heilpflanze für verwundete Soldaten war.

Ich glaube der Name Bauchwehkraut ist selbsterklärend. Warum die Schafgarbe bei allerlei Bauchgrummeln hilft, haben wir ja schon festgestellt.

Den Namen Zimmermannskraut erhielt die Schafgarbe, da die Zimmerleute mit ihr ihre Wunden, die sie sich während der Arbeit zuzogen, heilten.

Einen weiteren Bezug zu den Zimmermannsleuten liefert uns der Name Josephskraut. Einer Sage nach soll Joseph, der Ehemann von Maria und ein Zimmermann, sich bei seiner Arbeit schwer verletzt haben. Es heißt, Jesus gab ihm eine Schafgarbe und die Wunde geheilt wurde.

Achillea Millefolium – Welche Geschichten verbergen sich im botanischen Namen?

 Im Namen Achillea finden wir den Hinweis auf den berühmten griechischen Krieger Achilles. In der Sage wird beschrieben, dass er im Kampf um Troja von einem Pfeil genau an der Stelle der Ferse getroffen und schwer verwundet wurde, die wir heute noch als Achillesferse kennen. Von der Göttin Aphrodite erhielt er den Rat seine Verletzung mit Schafgarbe zu heilen.

Der zweite Teil des botanischen Namens, Millefolium, bedeutet so viel wie tausend Blättchen. Ganz klar haben wir hier den Bezug zu den vielen, kleinen Blütenblättern. Vielleicht sind es ja tatsächlich Tausend? Diese Frage hat auch den Teufel rasend gemacht und seine Zähllust angestachelt. Er zählte und zählte und verzählte sich aus so manches Mal und so begann er wieder von Neuem zu zählen. Über all das Zählen der winzig kleinen Blütenblätter vergaß ganz den Schabernack den er doch vorhatte zu Treiben.

Verwendete Pflanzenteile:

das ganze blühende Kraut

Inhaltsstoffe:

Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Bitterstoffe (und Flavone, Azulen, Eukalyptol, antibiotische Substanzen)

Aussehen:

Die Schafgarbe ist eine Staude mit einem rundlichen und kriechenden Wurzelstock der im Erdboden Ausläufer bildet. Die Stängel wachsen aufrecht. Sie sind sehr fest, behaart und im Querschnitt erscheint der Stängel länglich. Die Blätter sind dunkelgrün und bis zu

3- fach sehr fein gefiedert. Die Blüten wachsen zahlreich am Stängel und werden fast einen 1 cm groß. Sie sind weiß oder hin und wieder mal rosa. Einzelne Blüten wachsen in bis zu 8 cm breiten Körbchen in einer Doldentraube. Sie täuschen uns auf den ersten Blick eine Dolde vor. Jedoch stellen sie eine Rispe dar und gehören somit der Familie der Korbblütler an.

Die Schafgarbe duftet herb-würzig. Als junge Pflanze schmeckt sie würzig und später als ältere Pflanze bitter. Sie ist eine Venuspflanze.

Standort:

Sie wächst auf Wiesen und an Wegrändern

Verarbeitung:

Als Tee, für Bäder, für Umschläge, für Spülungen, die Blätter zum Gelbfärben von Wolle, als Presssaft, als Gewürz

Anwendung bei:

  1. Appetitlosigkeit
  2. Blähungen
  3. Brandwunden
  4. Durchfall
  5. Eierstockentzündungen
  6. Gallebeschwerden
  7. Gallekoliken
  8. gegen Blutungen
  9. Geschwüre
  10. Hämorrhoiden
  11. Magen- Darm- Beschwerden
  12. Menstruationsbeschwerden
  13. Ödeme
  14. Schleimhautentzündungen
  15. Schürf- und Stichwunden
  16. Unterleibskrämpfe
  17. Verdauungsschwäche
  18. Wechseljahresbeschwerden
  19. Wundbehandlung
  20. Wundheilung

Nebenwirkungen:

Einige Menschen können bei Hautkontakt in Verbindung mit direkter Sonneneinstrahlung Hautreizungen bekommen. Die sogenannte Wiesendermatitis, eine allergische Reaktion, wird durch die Berührung mit den leicht kratzigen Blättern hervorgerufen.

Bei Überdosierungen können Schwindel und Kopfweh auftreten und zu viel Schafgarbentee kann zu Nierenblutungen führen. Schwangere sollten auf die Schafgarbe verzichten, da sie Blutungen und Wehen auslösen kann.

Weiterführende Links:

https://haselnussholunder.de/der-august-ein-ganz-besonderer-sammelzeitpunkt/

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