Imbolc – Ein altes Fest der Kelten zu Ehren der Göttin Brigid und des neuen Lichtes

 
Am 2. Vollmond nach Jul fand das erste Fest im neuen Jahr statt. Imbolc ist eines der 4 großen Mondfeste im heidnischen Jahresrad. Mondfeste sind immer bewegliche Feiertage, da der Mondzyklus eben nicht mit dem heutigen, festen Kalendersystem konformgeht. Imbolc findet also immer um den 01. / 02. Februar statt.
Anfang Februar sind die Tage schon merklich länger und heller, um genau zu sein, sind die Tage jetzt eine Stunde länger als noch zur dunkelsten Zeit um Jul im Dezember. Imbolc ist ein Fest des Lichtes, das Licht im Dunkel, ein Fest zu Ehren der Göttin Brigid. Man feierte die schon erreichte Zunahme des Lichtes und versetzte ihr damit auch einen kleinen Schubs noch kräftiger hervorzutreten und über die dunkle, raue Jahreszeit zu siegen, dem Winter den Garaus zu machen.
Imbolc hat viele Namen, ob nun Imbolc, Imbolg, Oimelc oder Lichtmess, sie alle deuten auf die jetzt anbrechende Wende hin. Dieses Fest steht im Aspekt der Reinheit und Erneuerung und trägt eine tiefe Lichtsymbolik. Die Feste im Jahreskreis der Kelten lassen sich auf die verschiedenen Phasen eines Menschenlebens beziehen. Unser Leben unterliegt einer kontinuierlichen Entwicklung und Veränderung und so gibt es immer wieder Momente in denen man von einer Phase in die Nächste übertritt. Diese Übergänge können mit den keltischen Festen verglichen werden. Imbolc, als das erste Fest des Jahres, entspricht damit der Kindheit. Eine Zeit in der wir die Welt und unsere Fähigkeiten und eigenen Kräfte entdeckten, uns langsam unserer Selbst bewusstwurden. Es war eine Phase in unserem Leben die gekennzeichnet war von Verspieltheit, Unbefangenheit und ausgelassenem Lachen. Eine Zeit des Wachstums und des Gedeihens und dennoch erfuhren wir auch Grenzen. So begann allmählich ein Übergang aus der Zeit der Träume und Fantasie, wir nahmen immer mehr und mehr die Realität um uns herum wahr, mit all ihren Pflichten und Aufgaben. Wir gingen über in einen Lebensabschnitt der von Handeln und Denken bestimmt wurde. Die Phase des Handelns und Denkens entspricht dann auch dem nächsten Mondfest, Beltane, welches in der Nacht auf den 01. Mai gefeiert wurde.
Baldur, der Lichtbringer, wurde in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres, der Nacht der Wintersonnenwende, an Jul geboren. Das Licht war neu geboren, von nun an wurden die Tage langsam länger und heller. Dieses Wissen schenkte den Menschen Hoffnung und Zuversicht auf einen baldigen Frühling. Jetzt im Februar ist der Winter fast vorüber, der junge Gott regt sich, seine Kraft wächst stetig und zeigt sich immer mehr. Wir nehmen wahr wie die Kraft des Lichtes und der Sonne immer mehr zunehmen. Gleichzeitig streift die dreifaltige Götting in ihrer Gestalt als Jungfrau und unberührtes Mädchen durch die Lande. Noch erleben wir sie (die Göttin / die Natur) als das Kind, in Entsprechung der Farbe Weiß, das zarte Pflänzlein, das langsam und vorsichtig seinen Kopf aus der Erde streckt um sich zu entfalten und vollständig in die Welt durchzubrechen. Und dennoch ist Vorsicht geboten, der junge Gott des Lichtes hat noch nicht über die dunkle Zeit gesiegt, die dreifaltige Göttin steckt quasi noch in den Kinderschuhen. Schnee und Kälte können durchaus noch einmal die Oberhand gewinnen und uns den Frost zurückbringen.
Brigid ist die keltische Göttin des Lichtes, des Feuers und des Frühlings. Sie verkörpert den Neubeginn, das Aufbrechen in einen neuen Abschnitt des Lebens und der Geburt.
Ihr Name bedeutet „glänzender Pfeil“ oder Feuerpfeil. Brigid ist die Strahlende, die Erhabene, die Mächtige und die Kraft. Sie ist die Schutzpatronin der Hebammen, der Heilerinnen und Ärztinnen. Brigid erweckt das Feuer des Lebens, das Licht welches in der dunklen Jahreshälfte verborgen war. Ebenso ist Birgid die Schutzgöttin der Schmiedekunst, der Huf-, Kunst- und Goldschmiederinnen und allgemein des Metalls. Sie schützt all jene die die Kunst lehren und vermitteln. Sie ist die Göttin der Weisheit und der Poesie.
Wahrscheinlich kann der Name Imbolc auf imb-fholc zurückgeführt werden, was, so vermutet man, Rundum-Waschung bedeutet und damit den Hinweis auf den Aspekt der Reinheit und Reinigung dieses Festes gibt. Einen weiteren Hinweis darauf liefert der Monatsname Februar. Im alten römischen Kalender war der Februar der letzte Monat des Jahres. Das lateinische Wort „februare“ bedeutet reinigen und sühnen. In den alten Zeiten verband man Unreinheit mit Dunkelheit und der Nacht und Reinheit mit Licht bzw. dem Tag. Imbolc ist Übergang von der Dunkelheit in die helle Zeit des Jahres und damit auch als Reinigung vom Schmutz der Dunkelheit und der finsteren Zeit zu verstehen.
Eine weitere Erklärung ist die, dass der Name Imbolc oder Imbolg sich auf den gälischen Satz „in the belly“ bezieht und „in der Bauchhöle“ bedeutet. Dies liefert einen Hinweis auf die jetzt hochträchtigen Mutterschafe. Der französische Linguist Joseph Vendryes übersetzt Imbolc in dem er die Teile des Wortes betrachtet. So bedeutet „imb“ nämlich „um“ und „folc“ heißt reinigen, waschen oder auch baden. Ein weiter Name für Imbolc ist ja auch Oimelc. Die Übersetzung für Oi ist das Schaf und melcg bedeutet Milch. So bezieht sich dieser Name wiederum auf die Milch der Mutterschafe. Imbolc kann auch mit „Anlegen der Schafe“ übersetzt werden, was einen weitereren Bezug auf die bevorstehende Geburt der jungen Lämmer darstellt.
Der Februar ist ein Monat in welchem die Schafe kurz vor der Geburt der Lämmer stehen und natürlich war auch die Geburt junger, gesunder Lämmer nach einem harten, langen Winter ein bedeutendes Ereignis im Leben unserer keltischen Vorfahren. Sie sicherten den Fortbestand der Herde und es gab wieder frische Milch.
Wie wurde nun das Fest der Brigid begangen? Es finden sich Quellen, aus denen hervorgeht, dass man an Imbolc ausgelassen feiert und andere sprechen davon, dass es ein besinnliches Fest, ein Fest der inneren Reinigung und Innenschau war. Ich finde beides passend. Wir stehen an einem Übergang in einen neuen Lebensabschnitt und nur in der Ruhe finde ich zu mir, kann neue Pläne schmieden und Altes loslassen. Dies Steht für den Aspekt der Reinigung, im Innen wie im Außen. Andererseits beginnt die Natur langsam zu sprießen, die Vögel singen, die ersten Frühlingsblüher sind zu sehen und manchmal überkommen mich schon die Frühlingsgefühle. Ich finde das ist schon ein guter Grund um ausgelassen zu feiern und den Winter zu vertreiben. So darf auch zu diesem Fest jeder wieder selbst entscheiden was gefällt und stimmig ist.
Imbolc ist ein Fest des Feuers, wer kein großes Feuer machen kann, kann stellvertretend eine Kerze entzünden. Früher wurden große Feuer entfacht, Puppen aus Stroh angefertigt und verbrannt. Symbolisch verbrannte man mit dem Feuer (dem neuen Licht) den Winter. Man übergab den Flammen den Schmuck des Julfestes. Wer hellsichtig genug war, konnte Brigid auf einem Hirsch reiten sehen, wie sie die Samen weckte und die Bäume wachrüttelte. Und so rüttelten und schüttelten auch die Bauern ihre Bäume um die Säfte zu wecken. Und natürlich wurde an Imbolc das Haus auch geräuchert.
Für eine Hausräucherung eignen sich unsere heimischen Pflanzen wie Wacholder, Beifuß, Alantwurzel, Fichte, Tanne, Schafgarbe. Aber auch Lavendel, Minze, Rosmarin und Thymian nennt Marlis Bader in ihrem Buch „Räuchern mit heimischen Kräutern“, für eine reinigende und segnende Imbolc- Räuchermischung.

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