Samhain – Werden und Vergehen

Die Herbstwinde ziehen durch das Land, die Tage werden kürzer, Ruhe kehrt ein, die letzten Vorräte für den Winter sind eingebracht, Nebel ziehen auf…. Die dunkle Jahreszeit hat begonnen.
Samhain stellt im Jahreskreis das erste und gleichzeitig auch das letzte Mondfest dar. Es war eines der wichtigsten Feuerfeste keltischer Druiden im Jahreskreis. Gefeiert wurden das Ende der Sommerzeit und damit der Beginn der Winterzeit. Mit dem 11. Neumond verabschiedete man das alte Jahr und begrüßte das Neue.
Man traf sich am Abend zu Sonnenuntergang und traf wichtige Vorkehrungen um die Sippe durch die harte Jahreszeit, den nun beginnenden Winter, zu bringen. Welches Vieh musste geschlachtet werden, da es den Winter nicht überstehen würde, welche Vorräte sind vorhanden, sind genug Vorräte vorhanden? Ähnlich wie bei einem Thing, dem Gerichtstag, gab es großes Volksversammlungen mit Erntefesten, es wurden auch an diesem Tag Rat eingeholt, Gesetze erlassen und Strafen verhängt. Ehen wurden an diesem Tag geschlossen oder vorbereitet.
Andere Überlieferungen sprechen davon, dass man an diesem Tage den Ahnen und Verstorbenen gedachte. Die Ahnen waren zum Samhainfest eingeladen. Ihnen zur Ehre und zum Gedenken legte man für Sie auf der Festtafel ein Gedeck auf und stellte Speisen, Tabak und Quellwasser bereit. Um mit einer Gabe bedacht zu werden musste der Verstorbene mindestens 1 Jahr tot sein, denn so lange, so glaubte man, braucht die Seele um den physischen Körper zu verlassen. Konnten die Lebenden in diesem Jahr nicht loslassen und trauerten übermäßig stark, hielt dies die Seele fest in unserer Welt und fand keine Ruhe.  Die Verstorbenen hatten einen festen Platz im Leben der Menschen. Daran sieht man wie nah Leben und Tod, Wachsen – Werden – und Vergehen doch beieinanderliegen. Für die Kelten war der Tod wichtig, da es ohne den Tod kein neues Leben geben kann. Samhain wird hier als ein ruhiges und besinnliches Fest dargestellt. Man säuberte das Haus, räumte auf, stellte eine Kerze für die Ahnen auf, legte noch einmal das Herdfeuer auf und das Vieh bekam frisches Stroh und dann ging man früh zu Bett. Wahrscheinlich beging man dieses Fest in Stille und Besinnlichkeit vor allem aus Ehrfurcht vor den bösen Geistern. Es heißt die Nebel zwischen den Welten sind in dieser Nacht besonders dünn. Die Totengeister und Gespenster schwärmen aus, sie reisen in einer wilden Jagd durch das Land und betteln um Gaben. Sie rütteln an Fensterläden, jaulen ganz fürchterlich und verbreiten Angst und Schrecken.  Es ist auch die Zeit in der man mit Verstorbenen und den Ahnen in Kontakt tritt. Man kann einen Blick in die Zukunft verwerfen, die Verstorbenen beschwören oder um Rat fragen.
Der schwarze Gott Samain feiert den Antritt seiner Herrschaft. Er ist ein Jäger und Schlächter, er erlegt den Sonnenhirsch (Cernunnos – Natur- und Fruchtbarkeitsgott) und raubt dessen Gattin die Vegetationsgöttin Morrigan und verschleppt sie in das unterirdische Reich. Morrigan ist eine keltische Göttin die hier in der „dunklen“ Erscheinungsform der Muttergöttin und der Totengöttin erscheint. Sie wacht über die Seelen der Verstorbenen, über den schlafenden Samen der Pflanzen und über die im Winterschlaf erstarrten Tiere. Der keltische Gott Lug zieht sich jetzt in die Erde zurück und die Göttin Morrigan folgt ihm. Sie steht im Glauben der Kelten für die Behütung der Seelen und Samen von Mensch, Tier und Pflanze. So beschreibt es die keltische Mythologie Irlands.
Wir kennen Samhain als ein Fest welches der Totengöttin Holle gewidmet ist. Sie ist die Erdgöttin des Totenreiches und wacht dort über die verstorbenen Seelen. Sie empfängt die Seelen in ihrem Reich und entlässt sie auch wieder in neuen Verkörperungen in unsere Welt.
In der Natur sehen wir wie die Pflanzen sich in die Erde zurückziehen und dort sammeln sie neue Kraft um im Frühjahr wieder aus der Erde hervorzutreten. Mutter Natur liegt im Winterschlaf und regeneriert sich. Aus den abgestorbenen Pflanzen ziehen wertvolle Stoffe und Mineralien in den Boden und bieten Nahrung dem was im Entstehen und Wachsen ist.
Und damit ist auch der Kreislauf vom Werden, Wachsen und Vergehen geschlossen. Aus dem Alten, dem Abgestorbenen entsteht neues Leben, es wächst und gedeiht um schlussendlich wieder zu vergehen. Das alte Jahr wird verabschiedet und das Neue willkommen geheißen. Es nimmt seinen Lauf, es wächst, gedeiht und vergeht.


 
An Samhain wurde nicht nur orakelt und mit Hilfe von Runen, Äpfeln, Wasser, Ja-Nein-Steinen oder Nüssen in die Zukunft geschaut, es wurde auch geräuchert. Eine Räucherung für die Ahnen kann man mit Wacholder, Eibe (bitte bei offenem Fenster räuchern), Holunderblüte, Beifuß, Salbei, Fichtenharz, Engelwurz (Wurzeln) und Eisenkraut zelebrieren.  Möchte man das Orakeln unterstützen räuchert man mit Alraunenwurzel, Bilsenkraut, Lorbeer, und Schafgarbe.
Um an Samhain das alte Jahr gehen zu lassen und Platz für Neues zu schaffen, kann man sich selbst fragen was nicht mehr gebraucht wird und losgelassen werden. Was in mir stirbt ab und schafft damit Platz für Neues? Womit oder mit wem habe ich noch nicht abgeschlossen? Was bedarf noch der Klärung? Was möchte ich im nächsten Jahr erreichen und wie richte ich mich aus? Welche meiner Ahnen unterstützen mich und mit welchen ist noch eine Aussprache notwendig?
 
 
 
 

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