So feiere ich in diesem Jahr Jul

In den letzten Tagen habe ich viele Beiträge gelesen die über das Julfest, die Raunächte und die vielen verschiedenen Möglichkeiten berichten diese zu feiern.
Für Jul, die Wintersonnenwende am 21.12.2017, habe ich mir aus all den alten Überlieferungen und Bräuchen, aus der Fülle der Möglichkeiten und Anregungen das herausgesucht was für mich in diesem Jahr gut passt. Es gibt keine Anleitung oder Vorgabe etwas tun zu müssen, es gibt hier kein Richtig oder Falsch oder einen festgeschriebenen Ablauf. Für mich ist wichtig diesen Tag im Einklang mit der Natur und seinen Gegebenheiten zu leben. Ich möchte für mich in meine Mitte finden und zur Ruhe kommen. Das Alte, dankbar für all die Erfahrungen und neuen Ansichten, abschließen und das Neue, Unbekannte willkommen heißen. Natürlich gibt es da auch alte Bräuche die ich unbedingt beibehalten möchte, es gibt aber auch Bräuche, die mich in diesem Jahr nicht ansprechen und die ich nicht durchführen werde. Es ist doch wichtig, das zu tun was mir Spaß macht und es so umzusetzen das es in meinen Alltag passt. Es soll kein Stress sein, sondern ein Tag der Innenschau und ein besinnlicher Abend im Kreise der Lieben. Und auch das bedarf einer Vorbereitung, denn neben all den Bräuchen und Ritualen ist das Herz, der Mittelpunkt dieses Tages das gemeinsame Essen mit der Familie.
Wie also kann ich Jul feiern?
Traditionell wurde an Jul ein Feuer entzündet. Die Asche des Julfeuer galt als heilkräftig. Sie wurde auf den Feldern verstreut um Fruchtbarkeit zu bringen. Ein sehr schöner Brauch ist es, ein Feuer aus neunerlei Holz zu entzünden. Das habe ich in diesem Jahr nicht. Es wird ein Feuer aus zweierlei Holz geben. Nämlich einem ganz normalen handelsüblichen Brennholz und dem Eibenholz, das mir ein guter Freund vor einigen Monaten geschenkt hat. Da die Eibe mich in diesem Jahr sehr beeindruckt und durch das ganze Jahr begleitet hat, ist das für mich absolut stimmig und ausreichend. Ein Brauch der mir sehr gut gefällt ist es, auf einen oder mehreren Holzscheiten Wünsche und Segnungen für das Neue in Form von Runen zu schnitzen. Das ist eher ein meditativer Vorgang, ein Bei-sich-sein und bei seinen ganz eigenen Vorhaben, als die Äußerung eines Wunsches und die Bitte darum, dass er sich doch irgendwie durch irgendjemand erfüllen soll. Alles was es braucht um glücklich zu sein wird zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben treten und ich bin dafür verantwortlich das es geschieht. Das erreiche ich durch mein Tun und nicht durch sitzen und darauf warten, dass jemand an meiner Tür klingelt und Geschenke des Lebens vorbei bringt. Also werde ich morgen Runen schnitzen, meinen Gedanken nachhängen, das Alte betrachten und neue Pläne schmieden. Einige Runen habe ich bewusst gewählt. Sie entsprechen z.B. der Eibe, der Haselnuss und dem Holunder. Da ich im nächsten Jahr mit Haselnuss & Holunder viel vorhabe und sich schon viel getan hat, so viele neue Möglichkeiten und Verbindungen entstanden sind, bitte ich symbolisch mit ihnen um Schutz, Unterstützung und Segen für meine neuen Projekte. Weitere Runen werde ich intuitiv wählen und sie einfach zu mir kommen lassen. Ich bin gespannt welche Botschaften sie bringen. Es steht also noch nicht fest, welche es sind und wie viele es werden.
An Jul wurde in alten Zeiten natürlich auch immer geräuchert. Ich räuchere das ganze Jahr über mit Kräutern die ich selbst geerntet habe und mit Harzen und Räucherwerken die ich mir speziell für bestimmte thematische Räucherungen gekauft habe. Die Räucherpflanzen für mein Julfest habe ich ganz intuitiv aus meinem geernteten Bestand gewählt. Es sind 9 Kräuter die mich schon lange begleiten und die ich auch zu Salben, Tinkturen, Ölen oder Tee verarbeite. Beim Räuchern entfalten sie ganz andere Wirkungen als bei der Verarbeitung zu Ölen, Tinkturen oder als Tee eingenommen. Und da schließt sich wieder der Kreise für mich, denn sie alle unterstützen beim Loslassen, wirken reinigend und klärend, unterstützen bei Neuanfängen, spenden Kraft, Schutz und Hoffnung für neue Vorhaben. Efeu, Mistel und Beifuß, drei der neun Kräuter, unterstützen die Verbindung zu den Ahnen und in die Anderswelt, die Traumdeutung und den Blick auf das Unbewusste. Mistel und Efeu sollten immer in der freien Natur geräuchert werden.
Wenn dann mein Julfeuer runter gebrannt und mein Ritual beendet ist, werde ich mit meiner Familie zu Abend essen, den Baum schmücken, die 5 Kerzen des Julkranz neu entzünden und einfach die Zeit genießen.
An Jul, wie auch den anderen 3 großen Sonnenfesten im Jahr, kann man sich gut in einer Meditation mit den Ahnen und seinen eigenen inneren Seelenaspekten verbinden. So finden wir in unsere Mitte und erhalten neue Sichtweisen und Antworten auf unsere ganz persönlichen Themen. Es können neue Ideen und Projekte entstehen, die wir in den nächsten Wochen und Monaten angehen wollen.
Persönliche Fragen zum Julfest können zum Beispiel sein: Was will von mir neu geboren werden? Was möchte ich neu erschaffen und umsetzen? Was will ans Licht? Welche Talente möchte ich ausleben? Es ist also noch mal ein Fest, ein Moment an dem alles Altes und Überholte entsorgt werden kann und Platz für Neues geschaffen wird. Dieser Prozess begleitet uns auch noch durch die Raunächte und dann so um die Zeit vom Imbolc (Lichtmess, 01./02. Februar) wird er abgeschlossen sein, das junge Licht hat dann endgültig gesiegt und das Neue tritt hervor.
Heimische Räucherpflanzen die besonders gut zu Jul passen sind Beifuß, Engelwurzsamen, Esche, Fichtenharz, Holunder, Lavendel, Mistel und Salbei. Sie wirken reinigend und schützend. Holunderblüten und das Johanniskraut bringen uns Licht und das Mariengras und die Rose wirken segnend.
Vielleicht ist ja auch für Dich die eine oder andere Idee dabei das Julfest ganz nach Deinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu gestalten.
Ich wünsche Dir ein besinnliches und erkenntnisreiches Julfest!

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